Patriarchat


Patriarchat

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Pa|tri|ar|chat 〈[a:t] n. 11
1. = Vaterherrschaft; Ggs Matriarchat
2. Würde, Amt, Amtsbereich eines katholischen Patriarchen
Die Buchstabenfolge pa|tr... kann in Fremdwörtern auch pat|r... getrennt werden.

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Pa|t|ri|ar|chat, das; -[e]s, -e:
1. <auch: der> Würde u. Amtsbereich eines ↑ Patriarchen (2, 3).
2. Gesellschaftsordnung, bei der der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat u. Familie innehat u. bei der in Erbfolge u. sozialer Stellung die männliche Linie ausschlaggebend ist.

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I
Patriarchat
 
[griechisch »Vaterherrschaft«] das, -(e)s, semantisch vieldeutiger Begriff, der sowohl eine durch die Vorherrschaft des Vaters oder Ältesten in einer Verwandtengruppe bestimmte Sozialstruktur als auch die Männerherrschaft beziehungsweise Vorrangstellung des Mannes in Gesellschaft, Politik, Familie und Kultur terminologisch zusammenfasst.
 
 
Allgemeinere Verbreitung hat der Begriff Patriarchat als Bezeichnung für die Universalität der jahrtausendelang ungebrochenen wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Männerherrschaft beziehungsweise Männerdominanz durch die neue Frauenbewegung und die feministische Wissenschaft erlangt. - Geläufiger als der Begriff Patriarchat war im Deutschen stets das Adjektiv »patriarchalisch«. Früher charakterisierte es das hausväterliche und landesväterliche Regiment, aber auch - verklärend - gute alte Sitten, Tugend und Brauch der Vorväter, väterlicher Schutz und Fürsorge. Heute bezeichnet es neben der bevormundenden Fürsorge vornehmlich die prinzipielle Begünstigung und Dominanz des männlichen Geschlechts. Das Substantiv Patriarchalismus taucht um 1900 auf. Die umfassende Bevormundung von Ehefrau und Kindern durch den Ehemann wurde als Ehepatriarchalismus, die herrschaftlich-fürsorgerliche Politik gegenüber Lohnarbeitern als Unternehmerpatriarchalismus bezeichnet. Darüber hinaus wurden Vaterherrschaft, Vaterrecht, Patriarchalismus und Paternalismus als austauschbare Begriffe verwendet.
 
Vaterherrschaft bezeichnet die umfassende, kultisch, wirtschaftlich und sozial wirksame legitime Herrschaft des männlichen Oberhauptes der Familie (Großfamilie, Sippe, Klan, Lineage) über alle zur Familie gehörenden verwandten und nichtverwandten Personen und über Güter sowie die Herrschafts- und Besitzweitergabe vom Vater auf den Sohn. Als Beispiele gelten die Erzväter des Alten Testaments (Patriarch) und der Pater Familias im alten Rom. Für die im 18. Jahrhundert einsetzenden Versuche, Menschheitsgeschichte als Fortschrittsgeschichte zu entwerfen, galt die geregelte Vaterherrschaft als entscheidender Schritt zur höheren Kultur. Die von J. J. Bachofen 1861 veröffentlichte These, vor der allgemeinen Verbreitung des Vaterrechts habe eine Ordnung des Mutterrechts geherrscht, führte zu lang anhaltenden Kontroversen über die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Gesellschaft. 1884 politisierte F. Engels in seiner Abhandlung »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates« die Diskussion, indem er die Kritik am Vaterrecht im Zusammenhang mit einem Entwurf der Zukunft im Zeichen von Kommunismus und Frauenemanzipation stellte. Diese entwicklungsgeschichtliche Diskussion brach im 20. Jahrhundert ab (R. Thurnwald). Einflussreich blieb M. Webers herrschaftstypologische Definition von »Patriarchalismus«. Bei dieser vorbürokratischen Form geregelter Herrschaft unterschied er zwischen »reinem Patriarchalismus« im Sinne einer durch Traditionen und Normen geregelten Unterwerfung unter die Autorität eines Hausherren innerhalb der Hausgemeinschaft und dem daraus schließlich weiterentwickelten »patriarchalen Patrimonialstaat« als der Herrschaftsbeziehung zwischen Fürst und Untertanen.
 
 Ursprung und Erscheinungsformen des Patriarchats
 
Die von feministischen Theoretikerinnen angeregte und von einzelnen Kulturwissenschaftlern (besonders von E. Bornemann) aufgegriffene Diskussion über die Frage nach dem Ursprung und den Konstitutionsbedingungen des Patriarchats hat zu keinen gesicherten und wissenschaftlich konsensfähigen Ergebnissen geführt. Häufig wird die Entstehung des Patriarchats mit der neolithischen Revolution (Erfindung von Metallwaffen, Einführung sesshafter Ökonomie mit Ackerbau und Entstehung komplexer, arbeitsteiliger Produktions- und Organisationsformen) in Zusammenhang gebracht, in deren Verlauf sich männerzentrierte Deszendenz- (Patrilinearität) und Residenzmuster (Patrilokalität) durchsetzten. Es hat sich jedoch als unmöglich erwiesen, die fast ausnahmslos durchgesetzte Männerdominanz direkt aus der Abstammungs- und Erblinie oder aus der Niederlassung eines Ehepaares am Ort der Herkunftsfamilie des Bräutigams oder der Braut zu erklären. Besonders ethnologische Forschungen haben gezeigt, wie umfassend die mythisch-religiös begründete Statusdominanz des männlichen Geschlechts eingeschrieben ist in familiale und außerfamiliale Normengefüge, die gleichzeitig Verhaltensweisen, Arbeitsleistungen und soziale Bewertungen durchdringen und Herrschaft, Hierarchien und Aneignung von Werten, Gütern und Arbeitsleistungen legitimieren. Ungeachtet ihrer historisch und geographisch facettenreichen Ausprägungen hat sich die patriarchale Familienform als universelle Sozialform menschlichem Zusammenlebens durchgesetzt und als vermeintlich natürliches Ordnungsmodell bis in die Neuzeit hinein Geltung bewahrt. Zu den strukturellen Merkmalen traditioneller patriarchaler Sozialsysteme gehören 1) die Entscheidungsgewalt des Vaters über die Kinder (Besitz-, Erziehungs- und Verheiratungsrecht), 2) die privilegierte, auf Autorität und Fürsorge einerseits und pietätvollem Gehorsam andererseits basierende Vater-Sohn-Beziehung wie auch ihr Gegenteil: der Generationenkonflikt und die Herrschaftsrivalität, 3) die Weitergabe von Herrschaft und Besitz durch den Vater an den Sohn, 4) die Kontrolle über die weibliche Sexualität und Generativität (voreheliches Keuschheitsgebot, eheliche Treue, Verfolgung und Ächtung unehelicher Mutterschaft, Scheidungsverbot, Verbot von Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbruch), 5) die Schutz- und Fürsorgepflicht sowie die Strafgewalt des Vaters gegenüber den Angehörigen des Familienverbandes. Nachhaltig beeinflusst wurden die patriarchal geprägten Denkweisen und Sozialstrukturen der christlich-abendländischen Zivilisation von den Vorstellungen des israelitisch-jüdischen und des römisch-antiken Kulturkreises.
 
Die sozialrechtliche Vormachtstellung des männlichen Familien- und Sippenoberhaupts und dessen Funktion als Offenbarungsvermittler und Kultstifter (z. B. die Erzväter) führten zu der für das Alte Testament typische Verknüpfung von Kult und Patriarchat, in deren Kontext sich auch die Vorstellung von Gott als Vater und Herr, als gebietender und strafender Instanz entwickeln konnte. Grundlage des römischen Gemeinwesens war der durch die absolute Hausgewalt des Vaters (Patria Potestas) geprägte Familienverband. Als Hausherr und Familienvorstand vertrat der Pater Familias der römischen Republik seine »Familia«, also alle zu seinem Haus gehörenden Personen, nach außen. Im Innern ordnete er mit seiner Befehls- und Zuchtgewalt sein Haus als Wirtschafts-, Kult- und Lebensgemeinschaft. Das zur Staatsreligion aufgestiegene Christentum hat in der Folgezeit das patriarchale Rechtssystem, auf dem Wirtschaft, Staat und Familie beruhten, nicht nur bejaht und anerkannt, sondern auch theologisch begründet und unterbaut. Für die ständische Gesellschaftsordnung des Mittelalters bildete das patriarchale Haus als Haushalts-, Versorgungs- und Betriebsgemeinschaft bis zum 18. Jahrhundert das grundlegende Sozialgebilde. Mit der Auflösung der ständischen Gesellschaft wurde der patriarchalen Hausgemeinschaft die ökonomische Grundlage und ihre Bedeutung als ein alle gesellschaftliche Bereiche durchziehendes Strukturprinzip entzogen; seit dem 18. Jahrhundert waren Wirtschaft und Gesellschaft mit ihrer Bürokratisierung, Marktorientierung und haushaltsfernen Produktion und Verteilung von Gütern zunehmend auf Individuen ausgerichtet. Zugleich war der mit der Französischen Revolution einsetzende säkulare Emanzipationsprozess mit einer umfassenden Kritik an patriarchaler Herrschaft und paternaler Autorität verbunden. Ungeachtet jedoch, dass in der Folge der Patriarchalismus als Herrschaftsform zunehmend durch die im Konsens der Bürger gründende Gesetzesherrschaft abgelöst wurde, blieb die hausväterliche Gewalt, wenn auch in modifizierter Form, in der Kernfamilie des Bürgertums, aber auch in der Familie der unselbstständig Erwerbstätigen bis in das 20. Jahrhundert erhalten. Der »Sekundärpatriarchalismus« (Michael Mitterauer, * 1937; Reinhard Sieder, * 1950) der entstehenden bürgerlichen Industriegesellschaft stützte sich zum einen auf die überkommene Autorität des Familienvaters, die durch die männliche Dominanz in allen gesellschaftlich wichtigen Bereichen zusätzlich gestärkt wurde, zum anderen auf die mit den neuen Erwerbsstrukturen verbundene, erneute Ungleichbehandlung der Frau gegenüber dem Mann.
 
In der neueren Ethnologie und Kulturwissenschaft dominiert das Interesse an der Erforschung der vielfältigen Erscheinungsformen und Funktionsweisen der hierarch. und die Männer begünstigenden (Klaus E. Müller, * 1935) Geschlechterdifferenzierungen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Institutionalisierung männliche Hegemonie in patriarchalen Familien- und Stammesverbänden mit einer zunehmenden Differenzierung der Geschlechterbeziehung nach Aufgabenbereichen und Fähigkeiten und mit einer allgemeinen Aufwertung des männlichen Prinzips (Höherbewertung von männlichen Zeugungsvermögen, Körperstärke, Intelligenz und Kulturleistung) und der allmählichen Verdrängung mächtiger Muttergottheiten durch Vatergottheiten und weiblichen Kultträger durch männliche verbunden war.
 
 Die Diskussion in der neueren Frauenbewegung
 
Das patriarchale Leitbild hat im ausgehenden 20. Jahrhundert in den entwickelten Industriestaaten seine ökonomisch-sozialen Grundlagen wie seine ideologische Legitimation weitgehend eingebüßt. Gesellschaftliche Individualisierungstendenzen, die auch auf Familie und Ehe übergreifen, die wachsende Berufstätigkeit und materielle Unabhängigkeit der Frau vom Mann wie auch die durch die modernen Rationalisierungsprozesse bedingte Depersonalisierung von Herrschaft haben die Autorität des Mannes als Ernährer, Beschützer und Erzieher in der Familie nachhaltig erschüttert.
 
V. a. in den 1970er-Jahren wurde Patriarchat als politischer Begriff internationalisiert und in der feministischen Wissenschaft analytisch eingesetzt. Seither bündelt und transportiert er das Programm der Frauenbewegung, die die hierarch. Ordnung der Geschlechterverhältnisse innerhalb und außerhalb der Familie überwinden will. Richtungweisend wurden die Arbeiten von K. Millett, Shulamith Firestone und Marielouise Janssen-Jurreit (* 1941), in denen v. a. der Zusammenhang von ökonomischer Entwicklung und zunehmender männlicher Kontrolle der weiblichen Sexualität und Generativität sowie die Frage nach der Überwindung patriarchaler Strukturen im Hinblick auf die »Befreiung« der Frau problematisiert wurden.
 
Kontrovers diskutiert werden innerhalb der feministischen Bewegung u. a. die Fragen nach dem Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus (so schon in der proletarischen Frauenbewegung), nach dem möglichen Einfluss psychogenetischer und biologischer Faktoren auf die Entwicklung patriarchaler Strukturen und nach den Bedingungen der mit dem Patriarchat in Verbindung stehenden Entwicklung einer »männlichen« Rationalität, die ihren Ausdruck v. a. in Naturwissenschaft und Technik, aber auch in typischen »patriarchalisch« strukturierten Institutionen wie Militär, Kirche, Justiz und Wissenschaftsbetrieb gefunden hat. - Eine wichtige Fragestellung in der gegenwärtigen feministischen Diskussion über das Patriarchat bildet die Rolle der Frau als Mittäterin, nicht als Opfer patriarchaler Gesellschaftsstrukturen (Christina Thürmer-Rohr). Die Mittäterschaft, die in unterschiedlichen Formen des Erleidens, Erduldens und im Wegsehen bei durch Männer ausgeübter Gewalt, jedoch auch im Partizipieren und Profitieren am Patriarchat zum Ausdruck kommt, sei aufzukündigen und durch kritische Selbstveränderung und die Übernahme von Verantwortung aller für die patriarchal dominierten Verhältnisse und deren Veränderung zu ersetzen.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Familie · Feminismus · Frau · Frauenarbeit · Frauenbewegung · Mädchenbildung · Mann · Männerbünde · Matriarchat · Rolle · Sexismus · Sozialisation · Vaterrecht
 
 
M. Weber: Ehefrau u. Mutter in der Rechtsgesch. Eine Einf. (1907, Nachdr. 1971);
 R. Thurnwald: P., in: Reallex. der Vorgesch., hg. v. M. Ebert, Bd. 10 (1928);
 H. Begemann: Strukturwandel in der Familie (21966);
 
Das Vaterbild in Mythos u. Gesch., hg. v. H. Tellenbach (1976);
 
Das Vaterbild im Abendland, hg. v. H. Tellenbach: , 2 Bde. (1978);
 
Capitalist patriarchy and the case for socialist feminism, hg. v. Z. R. Eisenstein (New York 1979);
 O. Brunner: Neue Wege der Verfassungs- u. Sozialgesch. (31980);
 K. Millett: Sexus u. Herrschaft (a. d. Amerikan., Neuausg. 1985);
 S. Firestone: Frauenbefreiung u. sexuelle Revolution (a. d. Amerikan., 42.-49. Tsd. 1987);
 M. Janssen-Jurreit: Sexismus (Neuausg. 27.-29. Tsd. 1987);
 Klaus E. Müller: Die bessere u. die schlechtere Hälfte. Ethnologie des Geschlechterkonflikts (Neuausg. 1989);
 
Männerbande, Männerbünde. Zur Rolle des Mannes im Kulturvergleich, hg. v. G. Völger u. a., 2 Bde. (1990);
 
Mittäterschaft u. Entdeckungslust, hg. v. C. Thürmer-Rohr u. a. (21990);
 E. Borneman: Das P. (46.-47. Tsd. 1991);
 M. Mitterauer u. R. Sieder: Vom P. zur Partnerschaft (41991);
 A. Mitscherlich: Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft (120.-123. Tsd. 1992);
 S. Offenbartl: Keine Moderne ohne P.? (1995);
 G. Lerner: Die Entstehung des P. (a. d. Engl., Neuausg. 1997).
 
II
Patriarchat
 
(griechisch »Vaterherrschaft«): vieldeutiger Begriff, der sowohl eine durch die Vorherrschaft des Vaters oder Ältesten in einer Verwandtengruppe bestimmte Sozialstruktur als auch die Männerherrschaft beziehungsweise Vorrangstellung des Mannes allgemein in Gesellschaft, Politik, Familie und Kultur zusammenfassend bezeichnet.
 
Allgemeinere Verbreitung hat der Begriff Patriarchat als Bezeichnung für die jahrtausendelang ungebrochene wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle Männerherrschaft beziehungsweise Männerdominanz durch die neue Frauenbewegung und die feministische Wissenschaft erlangt. Häufig gilt dabei als Gegenbegriff zum Patriarchat das Matriarchat, das als mythisch oder real vorgestellte Urform der Vergesellschaftung dem Patriarchat vorausgegangen sein soll.
 
Das Interesse an dem Ursprung und den Entstehungsbedingungen patriarchaler Strukturen ist in der neueren Ethnologie und Kulturwissenschaft zurückgetreten hinter das Interesse an den vielfältigen Erscheinungsformen und Funktionsweisen der hierarchischen, die Männer begünstigenden Geschlechterdifferenzierungen. Die Verankerung männlicher Vorherrschaft in patriarchalen Familien- und Stammesverbänden war mit einer zunehmenden Differenzierung der Geschlechterbeziehung nach Aufgabenbereichen und Fähigkeiten und mit einer generellen Aufwertung des männlichen Prinzips (Höherbewertung von männlichem Zeugungsvermögen, Körperkraft, Intelligenz und Kulturleistung) verbunden. Außerdem wurden allmählich mächtige Muttergottheiten durch Vatergottheiten und weibliche Kultträger durch männliche verdrängt.
 
In der Gegenwart hat das patriarchale Leitbild sowohl seine ökonomisch-sozialen Grundlagen wie auch seine ideologische Legitimation weitgehend eingebüßt. Gesellschaftliche Individualisierungstendenzen, die auch auf Ehe und Familie übergreifen, sowie die zunehmende Berufstätigkeit und materielle Unabhängigkeit der Frau vom Mann haben die personengebundene Autorität des Mannes als Ernährer, Beschützer und Erzieher in der Familie nachhaltig erschüttert.
 
Vor allem in den 1970er-Jahren wurde Patriarchat als politischer Begriff internationalisiert und in der feministischen Wissenschaft analytisch eingesetzt. Seither bestimmt er einen Großteil des Programms der Frauenbewegung, die die hierarchische Ordnung der Geschlechterverhältnisse innerhalb und außerhalb der Familie weltweit überwinden will. Richtungweisend wurden die Arbeiten von K. Millett, S. Firestone, J. Mitchell und M. Janssen-Jurreit, in denen insbesondere der Zusammenhang von ökonomischer Entwicklung und wachsender männlicher Kontrolle der weiblichen Sexualität und Generativität sowie die Frage nach der Überwindung patriarchaler Strukturen im Hinblick auf die »Befreiung« der Frau problematisiert wurden. Kontrovers diskutiert werden innerhalb der feministischen Bewegung u. a. die Fragen nach dem Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus, nach dem möglichen Einfluss psychogenetischer und biologischer Faktoren auf die Entstehung patriarchaler Strukturen und nach den Bedingungen der mit dem Patriarchat in Verbindung stehenden Entwicklung einer »männlichen« Rationalität, die ihren Ausdruck v. a. in Naturwissenschaft und Technik, aber auch in typisch »patriarchalisch« gegliederten Einrichtungen wie Militär, Kirche, Justiz und Wissenschaftsbetrieb gefunden hat.
 
Charakteristisch für die aktuelle Patriarchatsdiskussion und Patriarchatsforschung ist auch auf feministischer Seite die zunehmende Skepsis gegenüber der Tauglichkeit eines globalen Patriarchatskonzepts, das der strukturellen Differenz zwischen patriarchaler Herrschaft in vormodernen Gesellschaften einerseits und männlicher Vorherrschaft in den gesellschaftlich bedeutsamen Bereichen der Industriegesellschaften andererseits zu wenig Rechnung trägt.
 

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Pa|tri|ar|chat, das; -[e]s, -e: 1. <auch: der> Würde u. Amtsbereich eines Patriarchen (2, 3). 2. Gesellschaftsordnung, bei der der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat u. Familie innehat u. bei der in Erbfolge u. sozialer Stellung die männliche Linie ausschlaggebend ist.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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